Ökonomische Bildung: Unterschied zwischen den Versionen

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Aktuelle Version vom 4. April 2019, 20:07 Uhr

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

WAS IST ÖKONOMISCHE BILDUNG?

Ökonomische Bildung - von "Ökonomie" für Wirtschaft - kann auch als Wirtschaftsbildung bezeichnet werden. Wirtschaftsbildung beschäftigt sich mit der Wirtschaft, sowohl als Ganzes auf globaler, internationaler, nationaler und regionaler Ebene als auch mit ihren Teilaspekten und Teilthemen. Ökonomische Bildung betrachtet sowohl Theorie als auch Praxis, die Volkswirtschaft ebenso wie die Betriebswirtschaft, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die Zukunft ebenso wie Gegenwart und Vergangenheit. Sie betrachtet Einflüsse von und auf Wirtschaft, die Rolle der Gesellschaft und jedes Einzelnen. Wirtschaftsbildung ist Lebensbildung.

WARUM BRAUCHEN WIR ÖKONOMISCHE BILDUNG?

Wirtschaft umgibt uns tagtäglich. Sie ist ein Teil des Lebens eines jeden Menschen, unabhängig vom Alter. Die Schule soll den Schüler zum mündigen, urteilsfähigen und kritischen Bürger erziehen. Mündigkeit, Urteilsfähigkeit und Kritik setzten jedoch Verständnis voraus, welches wiederum auf Wissen basiert. Dieses Wissen, und die Methoden es zu erschließen, soll und muss die Schule vermitteln. Der mündige Staatsbürger braucht Wirtschaftsbildung, um sich im Leben souverän zu bewegen. Die moderne Welt wird Zusehens komplexer, die Menge der Informationen größer, das betrifft auch den Bereich Wirtschaft. Hieraus eine gute Auswahl zu treffen, die als Allgemeinbildung dient, ist Aufgabe der Schule. Wirtschaft sollte für einen Schüler in Sachsen kein Buch mit sieben Siegeln sein.

WAS MUSS ÖKONOMISCHE BILDUNG LEISTEN?

Es soll ein Verständnis für Wirtschaft und ihre Teilaspekte geschaffen werden. Es soll die Fachsprache vermittelt und die Verbindungen zu anderen Themen, auch in anderen Schulfächern, aufgezeigt werden. Es soll Wissen vermittelt werden, aber auch Kompetenzen und Strategien, um selbstständig neues Wissen erwerben zu können. Es soll zum kritischen Betrachten angeregt und zur Herausbildung einer gesunden Skepsis gegenüber Neuem und Bewährtem angeregt werden. Inhalte sollen ohne vorgeprägte Wertung und Meinung vermittelt werden.

Teil A - Bildungsinhalte

Im ersten Teil geht es um die Inhalte Ökonomischer Bildung, das Kernstück jeden Bildungskonzeptes. Die Inhalte gliedern sich in unterschiedliche Themen, die zu insgesamt zehn Themenfeldern zusammengefasst wurden. Die Bildungsinhalte orientieren sich an den Eckpunkten der Einleitung, wobei die Reihung der Felder keine Bedeutung hat. Die Themen sind keinem Fach oder einer Klassenstufe zugeordnet.

THEMENFELD 1: BEDÜRFNISSE UND GÜTER, DAS GELD

In diesem Themenfeld werden die Grundlagen des Wirtschaftens – die Bedürfnisse der Menschen, die Güter im Wirtschaftskreislauf und das Geld – behandelt. Das Themenfeld 1 legt somit die Grundlagen für das gesamte Verständnis von Wirtschaft und Wirtschaftlichen Prozessen

Bedürfnisse

Der Schüler soll den Begriff des Bedürfnisses definieren und erklären können, um die Ursache des Wirtschaftens zu verstehen. Er soll ebenso erkenne, das menschliches und damit wirtschaftliches Handeln stets Bedürfnisgesteuert ist. Der Schüler soll Bedürfnisse verschiedenster Art kennen und sie systematisieren können.

Güter

Der Schüler soll den Begriff des Gutes definieren und erklären können. Er soll in der Lage sein, verschiedene Arten von Gütern zu kennen und sie systematisieren zu können. Der Schüler soll die Rolle von Gütern in verschiedenen Formen für den Wirtschaftskreislauf kennen.

Geld

Der Schüler die Bedeutung des Geldes für die Wirtschaft der Moderne kennen. Er soll ebenso die historische Entwicklung von Geld und Zahlungsmitteln kennen und so den Wandel der Wirtschaft im Laufe der Entwicklung der menschlichen Zivilisation verstehen. Der Schüler ist sich der Funktionen des Geldes als Zahlungsmittel, Wertmaßstab und Wertaufbewahrungsmittel bewusst. Ihm wird der verantwortungsvolle und bewusste Umgang mit Geld nahegebracht.

THEMENFELD 2: DER MARKT

In der Wirtschaft laufen alle Prozesse über einen Markt ab, er ist Dreh- und Angelpunkt des Güteraustausches. Das Themenfeld 2 beschäftigt sich mit dem Markt als solches und soll dem Schüler ein grundsätzliches Verständnis für die Abläufe am Markt geben.

Wettbewerb

Der Schüler sollte den Begriff des Wettbewerbes kennen und verstehen. Er soll Vor- und Nachteile eines freien Wettbewerbes kennen und den freien Wettbewerb kritisch hinterfragen.

Preisbildung

Der Schüler soll über das Prinzip von Angebot und Nachfrage Bescheid wissen und es auf verschiedene Marktsituation anwenden können. Er soll ebenso die Einflüsse auf Angebot oder Nachfrage erkennen und das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage verstehen. Der Schüler soll über die Folgen von Wettbewerbsbeschränkung und Wettbewerbsverzerrung informiert werden. Der Schüler soll Einflussmöglichkeiten auf den Wettbewerb sowie die Phänomene von Kartell und Monopolbildung kennen. Der Schüler soll die Rolle des Staates im freien Wettbewerb und bei Einflüssen auf den Wettbewerb kennen. Er soll ebenso die Rolle des Staates als Aufseher und Verhindere von Wettbewerbsverzerrung kennen. Der Schüler soll wissen, wann und warum der Staat regulierend eingreift, um den Wettbewerb zum Nutzen aller zu beschränken.

THEMENFELD 3: UNTERNEHMEN UND PRODUKTION

Die Grundlage des Wirtschaftens in einer Marktwirtschaft bilden Unternehmen. Sie sind für die Produktion von Gütern verantwortlich, Produktionsprozesse bilden den Ausgang des Wirtschaftskreislaufs. Themenfeld 3 beschäftigt sich daher mit den Unternehmen als solche, der Gründung eines Unternehmens und Systematisierungsmöglichkeiten.

Prinzip der Wirtschaftlichkeit

Der Schüler soll das Prinzip der Wirtschaftlichkeit und des wirtschaftlichen Handelns eines Unternehmens kennen sowie den Grund für die Gewinnorientierung eines Unternehmens verstehen. Er soll ebenso Maßnahmen zur Gewinnorientierung kennen und sie kritisch zu hinterfragen wissen. Er soll wissen, warum ein Unternehmen, in der Regel, auf das Erzielen von Gewinnen angewiesen ist.“

Sektoren- und Branchengliederung

Der Schüler soll in der Lage sein, die Gliederung der Wirtschaft in Sektoren und Branchen sowie den Wandel derer im Laufe der Zeit zu kennen und zu verstehen.

Rechtliche Aspekte und Unternehmensgründung

Der Schüler soll in der Lage sein, verschiedene Formen von Unternehmen zu kennen und voneinander unterscheiden zu können. Er soll in der Lage sein, die Strukturen in einem Unternehmen zu kennen. Der Schüler soll in der Lage sein, die Prozesse bei der Gründung eines Unternehmens wiederzugeben.

THEMENFELD 4: DAS BANKEN- UND FINANZSYSTEM

Banken sind ein fester Bestandteil des Wirtschaftssystems. Sie nehmen besondere Aufgaben war. Der Aktienhandel ist ein bedeutendes Phänomen innerhalb der Finanzkreisläufe. Das Themenfeld 4 bearbeitet diese beiden Aspekte.

Banken und ihre Aufgabe

Der Schüler kennt die Funktion von Banken und Kreditinstituten in der heutigen Wirtschaft. Er kennt die historische Entwicklung von Banken und dem Kreditwesen. Der Schüler kennt die Arbeitsweisen und das unternehmerische Konzept von Banken. Der Schüler kennt das Prinzip eines Kredites und der Zinswirtschaft sowie die Bedeutung von Krediten und Zinsen für das Wirtschaftssystem. Der Schüler befasst sich mit den Risiken von Krediten und Verschuldung.

Aktien- und Börsenhandel

Der Schüler kennt die strukturellen Grundzüge des Handelns mit Aktien und Anleihen. Der Schüler kennt verschiedene weitere Formen der Geldanlagen und deren Nutzen für den Anleger“ Er kennt die historische Entwicklung des Börsenhandels. Der Schüler weißt um den Nutzen und die Risiken des Aktien- und Börsenhandels.

THEMENFELD 5: DIE ARBEIT

Themenfeld 5 beschäftigt sich mit der Arbeit und mit ihr direkt verbundenen Themen. Arbeit bildet eine Grundlage des Wirtschaftens. In diesem Themenfeld wird Arbeit thematisiert, sowohl in ihrer Rolle als Lohnerwerb, was wiederum die Grundlage jeglichen Konsums ist, als auch zur Produktion von Gütern und Dienstleistungen, welche wiederum als Angebot auf einem Markt für den Güterkreislauf zur Verfügung stehen. Arbeit ist als ein sich wandelnder Prozess zu verstehen, der Veränderungen unterliegt.

Arten von Arbeit, Notwendigkeit

Der Schüler soll verschiedene Arten von Arbeit kennen. Er soll die Notwendigkeit von Arbeit als Grundsatzstütze der Wirtschaft verstehen.

Qualifikation und Ausbildung, Weiterbildung

Der Schüler soll die Bedeutung der Bildung für das Arbeitsleben kennen. Er soll ebenso das deutsche Bildungs- und Ausbildungssystemen in seinen Strukturen kennen. Der Schüler soll die Bedeutung von Weiterbildung für den Arbeitnehmer und den Prozess der Arbeit an sich kennen.

Technischer Fortschritt, Arbeitswelt im Wandel, Rationalisierung

Der Schüler soll die Auswirkungen des rasanten technischen Fortschrittes der vergangenen 150 Jahre und ihre Bedeutung für die Arbeitswelt kennen. Dabei soll im speziellen auf die Entwicklung im Zuge der Industrialisierung und auf die Entwicklung im Zuge der digitalen Revolution eingegangen werden. Der Schüler soll den Wandel in der Arbeitswelt, im Speziellen in Bezug auf den Wandel in den Berufsbildern, verstehen und in Bezug auf die historische Entwicklung erklären können. Der Schüler soll das Konzept der Rationalisierung, Gründe und Folgen dieser kennen.

THEMENFELD 6: DER VERBRAUCHER

In der Wirtschaft steht dem Produzenten der Konsument gegenüber. Entsprechend sind neben Unternehmen und Produktionsketten Verbraucher und Konsumkreisläufe die wichtigste Größe. Themenfeld 6 beschäftigt sich daher mit dem Menschen in der Rolle des Verbrauchers und seinen Rechten.

Konsumgesellschaft

Der Schüler soll den Begriff der Konsumgesellschaft kennen und definieren können. Der Schüler soll über die gesellschaftliche Entwicklung hin zu einer Konsumgesellschaft informiert sein und sie im historischen Kontext begreifen. Der Schüler soll ebenso über die Risiken der modernen Konsumgesellschaft informiert sein und sich mit dem Begriff der Konsumkritik befassen. Der Schüler soll ich mit den mit dem Phänomen der Werbung und des Marketings auseinandersetzen, ihren Einfluss auf Verbrauch und Konsum kennen sowie Chancen und Risiken der Werbung erkennen. Ziel soll sein, dass der Schüler verantwortungsbewusst mit Werbung umgehen kann und ihr stets kritisch gegenübersteht.

Verbraucherschutz und Verbraucherrechte

Der Schüler soll die Rechtsgrundlage für die Rechte der Verbraucher kennen sowie die wichtigsten Behörden und Institutionen. Der Schüler soll den Begriff der Verbraucherrechte definieren und erklären können sowie diese im ist historischen Kontext begreifen. Der Schüler soll das Konzept des Verbraucherschutzes und dessen Notwendigkeit sowie die wichtigsten Behörden und Institutionen zum Schutz der Verbraucher kennen. Er soll dabei den Verbraucherschutz als eine Aufgabe des Individuums, der Gesellschaft und im speziellen der Politik begreifen.

Vertrags- und Kreditwesen

Der Schüler soll den Begriff des Vertrages und den Begriff des Kredites definieren können. Er soll in der Lage sein, verschiedene Verträge zu systematisieren und verschiedene Arten von Verträgen zu kennen. Der Schüler soll im Besonderen über den Miet-, Kauf-, Kredit-und Arbeitsvertrag informiert sein.“

THEMENFELD 7: DAS STEUER- UND ABGABENSYSTEM, DIE SOZIALE SICHERUNG

Die Grundlage jeglicher staatlichen Haushaltspolitik bilden die Einnahmen aus Steuern und Abgaben. Ebenso ist für die Wirtschaft und das Individuum die Steuerlast beziehungsweise die aus Steuergeldern finanziert Infrastruktur ein entscheidender Faktor. Das Themenfeld 7 bearbeitet Steuern, Abgaben und Sozialversicherungen.

Steuern und Abgaben

Der Schüler soll das Konzept der Steuer erklären können. Er soll in der Lage sein, Steuern und Gebühren voneinander unterscheiden zu können. Er soll verstehen, aus welchem Grund der Staat Steuern und sonstige Abgaben erhebt. Der Schüler soll in der Lage sein, die Verwendung von Steuergeldern nachzuvollziehen und somit die Bedeutung des Steuerwesens für den Start und die Gesellschaft zu verstehen.

Steuererhebung und Steuerarten

Der Schüler soll in der Lage sein, zu wissen, welche staatliche Institution beziehungsweise welche Verwaltungsebene welche Steuern beziehungsweise welche Abgaben erhebt beziehungsweise einzieht. Der Schüler soll verschiedene Arten von Steuern kennen und definieren können und ihre Verwendung erläutern können. Der Schüler soll die Berechnung der Steuerlast eine Privatperson beziehungsweise eines Privathaushaltes kennen. Er soll über verschiedene Steuerklassen sowie die Steuererklärung informiert sein und Beratungsangebote rund um das Thema Steuern beziehungsweise Steuererklärung kennen.

Sozialversicherung

Der Schüler soll das Konzept der Sozialversicherungen verstehen und im historischen Kontext begreifen. Der Schüler soll im speziellen mit der Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung vertraut sein und von deren Vorteile und Grenzen gehört haben.

THEMENFELD 8: WIRTSCHAFTSORDNUNGEN

Die Wirtschaftswissenschaft kennt verschiedene Wirtschaftsordnungen, die sich in ihren Merkmalen unterscheiden. Das Themenfeld 8 thematisiert diese.

Kriterien für die Klassifikation von Wirtschaftsordnungen

Der Schüler kennt die Klassifikationskriterien für Wirtschaftsordnungen, vorrangig Planungs- und Lenkungsformen, Eigentumsverfassung, den Ort der Preisbildung, die Form der betrieblichen Ergebnisrechnung und die Form der Finanzwirtschaft. Der Schüler wendet die Kriterien auf verschiedene Volkswirtschaften an.

Wirtschaftsordnungen

Der Schüler kennt verschiedene Wirtschaftsordnungen, insbesondere die sozialistische Zentrallenkungswirtschaft und die kapitalistische Marktwirtschaft.

THEMENFELD 9: DIE SOZIALE MARKTWIRTSCHAFT UND DIE SOZIALPARTNERSCHAFT

Die Wirtschaftsordnung der Bundesrepublik Deutschland ist die soziale Marktwirtschaft. Im Themenfeld 9 wird daher über das Prinzip der sozialen Marktwirtschaft aufgeklärt, ihre Funktionsweise und ihre Bedeutung als das in Deutschland existierende Wirtschaftssystem erläutert. Ebenso soll ein besonderer Teil der Sozialen Marktwirtschaft, die Sozialpartnerschaft, erläutert werden. Diesem Vorweg geht der theoretische Diskurs über verschiedene volkswirtschaftliche Wirtschaftsordnungen.

Historische Grundzüge und Struktur

Der Schüler soll in der Lage sein, die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft zu verstehen und diese von anderen Wirtschaftssystemen zu unterscheiden. Der Schüler soll die historische Entwicklung der sozialen Marktwirtschaft in der Bundesrepublik Deutschland nach 1948 kennen. Der Schüler soll sowohl über die theoretischen Grundlagen der sozialen Marktwirtschaft als auch über ihre praktische Umsetzung in der Bundesrepublik Deutschland informiert sein.

Gewerkschaften und innerbetriebliche Mitbestimmung

Der Schüler soll die Bedeutung der Gewerkschaften für den Arbeitnehmer und die Arbeitswelt kennen und sie im historischen Kontext begreifen. Der Schüler soll die heutige Bedeutung von Gewerkschaften kennen. Der Schüler soll über die Strukturen in der innerbetrieblichen Mitbestimmung informiert seid. Der Schüler soll sich mit dem Konzept des Tarifes beziehungsweise Tariflohnes sowie mit dem Streikrecht auseinandersetzen und ihre Bedeutung für Wirtschaft und Arbeitswelt verstehen. Der Schüler soll ebenso die Bedeutung von Arbeitgeberverbänden kennen.

THEMENFELD 10: DIE GLOBALISIERUNG DER WIRTSCHAFT

Die Wirtschaft lässt sich nicht nur als regional und national begrenztes ganzes betrachten, sondern steht immer auch in einem globalen Kontext. Spätestens seit dem Ende des Mittelalters kann von einer Globalisierung der Wirtschaft gesprochen werden. Seit der Industrialisierung ist die Dimension der Wirtschaft als weltweites ganzes aus der Wirtschaftstheorie nicht mehr wegzudenken. Im 21. Jahrhundert erleben wir eine nie gekannte Vernetzung der Wirtschaft in verschiedensten Teilen der Welt. Das Themenfeld 10 geht auf die Globalisierung und ihre Folgen, Chancen und Risiken ein und umfasst zudem die grundlegenden, globalen Wandlungsprozesse der jüngeren Geschichte.

Entwicklung der Globalisierung

Der Schüler soll in der Lage sein, den Begriff Globalisierung zu definieren und den Einfluss des Phänomens Globalisierung auf die Wirtschaft zu begreifen. Der Schüler soll die historische Entwicklung der Globalisierung kennen. Der Schüler setzt sich mit der wirtschaftlichen Integration Deutschlands nach dem zweiten Weltkrieg auseinander und kennt deren Bedeutung für die heutige Situation der deutschen Wirtschaft.

Globale wirtschaftliche Entwicklung

Der Schüler soll Entwicklungen der Wirtschaft, die nicht regional begrenzt, sondern auf dem gesamten Globus anzutreffen waren, kennen und ihre Ursachen begreifen. Der Schüler setzt sich unter anderem mit der Weltwirtschaftskrise der 1920er und 1930er Jahre sowie den jüngsten Finanzkrisen auseinander. Der Schüler ist in der Lage Zusammenhänge und ähnliche Strukturen verschiedener globale Entwicklungen zu begreifen. Der Schüler setzt sich mit dem Konzept der Megatrends sowie Megatrends in der Wirtschaft der letzten fünf Jahrzehnte auseinander. Der Schüler kennt im speziellen die Rolle des Internets für die Globalisierung beziehungsweise für die Wirtschaft allgemein.

Folgen der Globalisierung

Der Schüler kennt positive wie negative Folgen der Globalisierung für die gesamte Wirtschaft. Der Schüler erkennt die Notwendigkeit des nachhaltigen Wirtschaftens für die Zukunft der Menschheit. Der Schüler setzt sich im Besonderen mit den Folgen der Globalisierung für Europa, für Deutschland und für Sachsen auseinander.

Globale Abhängigkeiten und globale Disparitäten

Der Schüler kennt die durch die Globalisierung entstandenen Abhängigkeiten der Wirtschaft. Er setzt sich im speziellen mit der Ressourcenabhängigkeit der Wirtschaft auseinander. Der Schüler erkennt globale Disparitäten in der Wirtschaft als Folge der Globalisierung der Wirtschaft. Er setzt sich im speziellen mit der Situation von Schwellen- und Entwicklungsländer an im Kontext der Situation der westlichen Industrienationen auseinander.

Teil B - Struktur des Unterrichts, Bildungspolitische Strukturen

Der zweite Teil beschäftigt sich mit der Art des Unterrichtes, seiner Gestaltung und bildungspolitischen Maßnahmen. Ökonomische Bildung ist nicht allein von Inhalten abhängig, allein die Themen bringen es mit sich, das die Vermittlung der Inhalte einen großen Stellenwert einnimmt. Die folgenden Punkte zeigen auf, wie die Vermittlung der Bildungsinhalte erfolgen soll und welche Weichenstellungen es auf politischer Ebene braucht.

DEFINITION ALS QUERSCHNITTSAUFGABE

Ökonomische Bildung ist und bleibt eine Aufgabe verschiedener Fächer. Die Hauptaufgaben der ökonomischen Bildung fallen den Fächern Gemeinschaftskunde bzw. Gemeinschaftskunde/Rechtserziehung/Wirtschaft zu. Neben diesen Fächern sind die Fächer Geographie und Geschichte mit jeweils entsprechenden Anteilen in der Verantwortung, ökonomische Bildung zu vermitteln. Wir sprechen uns, auch mit Blick auf die bereits existierende Stundenbelastung des Schülers in Sachsen, gegen die Einführung eines eigenen Faches ökonomische Bildung aus. Es wäre falsch zu glauben, die einzelnen Teilaspekte der ökonomischen Bildung könnten alle zusammen in einem Fach, aber von mit ihnen verknüpften Entwicklungen und Phänomenen in Politik, Gesellschaft, Geschichte, Kultur und Umwelt losgelöst behandelt werden. Das Verständnis für Wirtschaft entsteht nur im Kontext mit allem, was die Entwicklung der Wirtschaft beeinflusste. Wir fordern, die Lehrpläne der oben genannten Fächer inhaltlich anzupassen bzw. zu erweitern. Damit einher geht die Forderung, die Stundentafel langfristig zu überarbeiten und Stunden von den naturwissenschaftlichen Fächern hin zu den Gesellschaftswissenschaften zu verlagern. Ebenso muss hier unsere Forderung nach einem GRW-Leistungskurs am allgemeinbildenden Gymnasium berücksichtigt werden, denn ein GRW-Leistungskurs wäre auch in Teilen ein Leistungskurs in ökonomischer Bildung.

PÄDAGOGISCHES GESAMTKONZEPT, RAHMENSETZUNG

Die Definition als Querschnittsaufgabe verlangt es, dass die beteiligten Fächer ihre Arbeit untereinander im Rahmen eines pädagogischen Konzeptes abstimmen. Nur wenn die ökonomische Bildung, aufgeteilt auf mehrere Fächer, trotzdem als eine Einheit verstanden wird, kann sie gelingen. Dafür braucht es ein Konzept, das die Aufgaben der einzelnen Fächer definiert, ihre Tätigkeiten abstimmt und verschiedene andere Aspekte ökonomischer Bildung aufgreift. Dieses Konzept soll im Rahmen einer Expertengruppe beim Staatsministerium für Kultus, analog zu den Konzeptionen für Medienbildung und für politische Bildung, erstellt werden. Dadurch soll das Thema von einem weiten Sachverständigenkreis bearbeitet werden.

BEIRAT ÖKONOMISCHE BILDUNG

Wirtschaft befindet sich in einem stetigen Wandel. Diesen Wandel muss auf die Wirtschaftsbildung abbilden, sie muss den Anspruch haben Wirtschaft als etwas Reales und nicht als etwas rein Theoretisches zu behandeln. Wir fordern, für die ökonomische Bildung einen ständigen Beirat beim Staatsministerium für Kultus einzurichten, der für die Pflege und ständige Aktualisierung des oben genannten pädagogischen Konzeptes zuständig ist. Mitglieder sollen neben den offiziellen Beratungsorganen des Staatsministeriums für Kultus auch Vertreter der Verwaltung, Fachvertreter der Hochschulen, der Wirtschaftsverbände und der Gewerkschaften sowie weitere Sachkundige sein. Sie sollen regelmäßig über aktuelle Entwicklungen beraten und deren Verarbeitung in den Lehrplänen diskutieren.

FÄCHERÜBERGREIFENDE ARBEIT IM GROSSEN - FÄCHERVERBINDENDER UNTERRICHT, PROJEKTARBEIT

Projektarbeit, insbesondere aber fächerverbindender Unterricht bieten große Chancen für Querschnittsaufgaben wie die ökonomische Bildung. Fächerverbindender Unterricht bietet fächerübergreifenden Themen den Raum, für eine gewisse Zeit ohne Rücksicht auf klassische Fächergrenzen ein Schwerpunktthema in der Schule zu sein. Wir fordern, das die ökonomische Bildung als Aufgabenfeld mindestens einmal im Schuljahr Inhalt einer Projektwoche oder eines Projekttages ist. Dabei soll es, nach Altersstufen aufbereitet, vertieft um die jeweiligen Lehrplanthemen gehen. Näheres zur Themenauswahl sowie pädagogische Handreichungen und Materialien stellt das Staatsministerium für Kultus bereit.

FÄCHERÜBERGREIFENDE ARBEIT IM KLEINEN - TEFKO-UNTERRICHT

Eine Querschnittsaufgabe kann nicht nur in allen beteiligten Schulfächern getrennt, sondern auch in allen Fächern gemeinsam in Kooperation bearbeitet werden. Wir fordern daher, dass die Arbeit über Fächergrenzen hinweg auch in der Praxis alltäglich stattfinden soll. Es soll regelmäßig, mindestens aber einmal pro Schulhalbjahr interdisziplinären Unterricht im Rahmen von „temporären Fächerkooperationen“ (TefKo) geben, in deren Rahmen die Schüler in Geographie, GRW/GK und Geschichte entweder an demselben Projekt arbeiten, das Aspekte aller drei Fächer beinhaltet, oder ein Thema im Unterricht behandeln, das von jedem Fach einzelnen fachspezifisch beleuchtet wird. Die Dauer dieses TefKo-Unterrichts sollte eine oder zwei Schulwochen betragen. So kann der Schüler nicht nur im Allgemeinen, sondern auch ganz konkret Inhalte und Themen der Disziplinen miteinander kombinieren und mit konkreten Beispielen Zusammenhänge entdecken, dabei wird er im Laufe der Zeit von Fachlehrern aller beteiligten Fächer begleitet. Wenn das Ergebnis der Arbeit benotet wird, so soll die Noten in alle Fächer gleichermaßen einfließen, festgelegt wird sie von den betreuenden Fachlehrern gemeinsam. Koordiniert werden kann dieses Arbeiten über Arbeitsgruppen oder Teilkonferenzen der Gesamtlehrerkonferenz oder über persönliche Absprachen der Fachlehrer untereinander. Das Staatsministerium für Kultus unterstützt diese Arbeit mit Handreichungen, Materialien und Vorschlägen für Themen und Abläufe.

ALTERSSPEZIFIK

Bei der Vermittlung ökonomischer Bildung ist auch auf das Alter der Schüler Rücksicht zu nehmen. Ökonomische Bildung kann bereits in der 5. Klasse, sollte aber spätestens in der 7. Klasse beginnen.

PRAXISNÄHE

Im Themenbereich Wirtschaft ist es unumgänglich, einen Praxisbezug zur Wirtschaft herzustellen. Daher fordern wir, durch das Staatsministerium für Kultus einen Katalog mit geprüften Exkursionszielen bereitzustellen, die für das Thema ökonomische Bildung in Frage kommen. Exkursionen außerhalb der Schule sind eine gute Möglichkeit, sich mit einem Thema praktisch zu beschäftigen, oft bieten die Exkursionsziele ein Bildungserlebnis an, das Schule so nicht umsetzen kann. Wirtschaft hat einen großen Einfluss auf menschliches Zusammenleben, daher ist es wichtig den Einfluss der Wirtschaft in diesem Bereich zu kennen. Jeder Schüler sollte daher mit der spezifischen Geschichte der Wirtschaft seiner Region vertraut sein. Ihm soll vermittelt werden, welche Gewerbe prägend waren und sind, welchen Einfluss die Wirtschaft insbesondere in Zeiten der Industrialisierung genommen hat und was man hiervon heute noch spüren kann. Ein Schüler aus dem Erzgebirge soll sich gezielt mit dem Bergbau in seiner Region beschäftigen können, ein Schüler aus der Lausitz soll mit dem Bedeutungswandel der Braunkohle vertraut sein. Dabei soll die theoretische Behandlung des Themas im Vordergrund stehen. Ebenso wollen wir, dass der Unterricht bewusst auf eine Kooperation mit Wirtschaftsakteuren setzt. Zu nennen sind hier zum Beispiel die Handwerkskammern, die Gewerkschaften, die Arbeitgeberverbände und weitere Fachverbände. So wären beispielsweise entsprechende Fachvorträge im Unterricht denkbar, Exkursionen zu Verbandniederlassungen, Workshops oder die Nutzung von Vermittlungs- und Unterstützungsangeboten. Ebenso ist eine Zusammenarbeit mit staatlichen Institutionen sinnvoll, wie bspw. dem Finanzamt im Fachbereich Steuersystem oder der Bundeszentralbank im Bereich Bankenwesen. Bereits existierende Kooperationen sollen fortgeführt werden. Durch derartige Zusammenarbeit können die Schulen das existierende Know-How nutzen und zusätzliche Ressourcen abschöpfen.

AKTUALITÄT

Wirtschaft ist ein Thema, zu dem es nahezu täglich tagesaktuelle Entwicklungen gibt. Diese Entwicklungen können sowohl normales Tagesgeschäft als auch große und einschneidende Ereignisse sein. Die ökomische Bildung soll tagesaktuell sein. Wir fordern daher, dass der Unterricht immer auch aktuelle Entwicklungen berücksichtigt, wenn er sich theoretisch mit einem Thema auseinandersetzt. Bei bedeutenden Anlässen oder Ereignissen sollte es die Möglichkeit geben, im Unterricht speziell darüber zu sprechen und zu diskutieren. Dem Schüler soll vermittelt werden, das er sich nicht in einem starren Gefilde bewegt, sondern Wirtschaft etwas Dynamisches ist, für dessen Verständnis er die ökonomische Bildung gebraucht.