Integration von Flüchtlingskindern und -jugendlichen in das sächsische Schulsystem: Unterschied zwischen den Versionen

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Aktuelle Version vom 4. März 2018, 10:05 Uhr

In den letzten Wochen und Monaten stieg die Anzahl der täglich in Deutschland ankommenden Flüchtlinge enorm, seit langer Zeit beherrscht die „Asylproblematik“ die Nachrichtenlage und die politische Debatte. Kaum ein anderes Thema polarisiert aktuell mehr als dieses. Nach dem Königssteiner Schlüssel hat der Freistaat Sachsen 5,1% der Flüchtlinge aufzunehmen, wobei ein nicht unerheblicher Teil dieser Flüchtlinge schulpflichtig ist. So herrscht in Deutschland die Berufsschulpflicht bis zum 27. Lebensjahr. Flüchtlinge, die das 27. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, müssen damit in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen integriert werden. Dies stellt bundesweit eine große Herausforderung dar, die es zu bewältigen gilt. Ein Großteil der in Sachsen untergekommenen schulpflichtigen Flüchtlinge wird bereits in das sächsische Schulsystem integriert. Der LandesSchülerRat Sachsen spricht sich für eine Beibehaltung dieses Systems aus, um den Geflüchteten frühzeitig eine Chance zu geben, sich in unsere Gesellschaft zu integrieren und den Grundstein für eine gesicherte Existenz in Deutschland zu legen.

1. Grundwerte und Prinzipien vermitteln

Unsere Gesellschaft basiert auf demokratischen Werten und bestimmten Prinzipien. Ein Großteil der Flüchtlinge kommt ursprünglich aus Ländern, in denen andere Werte gelebt werden. Eine bedeutende Aufgabe für den Unterricht in den Vorbereitungsklassen ist deshalb die Wertevermittlung. Nur so kann es gelingen, dass sich die Flüchtlinge in unserer Gesellschaft integrieren können. Der LandesSchülerRat Sachsen fordert deshalb einen Werteunterricht, der mit dem Schulbesuch einsetzen soll. Inhalt dieses Unterrichts soll vor allem die Auseinandersetzung mit dem Grundgesetz sein. Dafür sind zum besseren Verständnis Grundgesetze in den Sprachen der Flüchtlinge bereitzustellen. Des Weiteren sollen bestimmte Prinzipien vermittelt werden. Nur so wird die anschließende Integration in den Regelschulbetrieb und Arbeitsmarkt gelingen.

2. Dreistufenintegration

Erste Etappe

Sprache ist der Schlüssel für die Integration. Deswegen soll im ersten Schritt eine Grundlage für die Teilnahme am Regelunterricht gelegt werden. Des Weiteren besteht durch das Erlernen der Sprache die Möglichkeit am sozialen Leben in unserer Gesellschaft teilzunehmen. Die meisten Flüchtlinge haben unterschiedliche Vorkenntnisse der deutschen Sprache. Der LandesSchülerRat Sachsen fordert deshalb einen Aufbau von mehreren Vorbereitungsklassen mit unterschiedlichen Niveaustufen, sofern dies aufgrund der Personalsituation an einer Schule möglich ist. So gelingt eine maßgeschneiderte Betreuung von Flüchtlingskindern und -jugendlichen. Schüler lernen unterschiedlich schnell, weshalb es sinnvoll ist, die Schüler, die in der Vorbereitungsklasse große Fortschritte machen, schnellstmöglich in eine höhere Niveaustufe einzugliedern. Die Entscheidung darüber trifft die entsprechende Lehrkraft anhand der Entwicklung in Absprache mit dem betreffenden Schüler und, sofern der Schüler minderjährig ist, den Eltern. Dabei soll nicht nur die fachliche Kompetenz berücksichtigt werden, sondern auch die persönlichen Wünsche des Schülers selbst.

Zweite Etappe

In Vorbereitungsklassen mit höherem Niveau soll anschließend eine langsame Teilintegration in den Regelschulbetrieb erfolgen. (Beispiel: Englisch, Sport, Musik und Kunst) Anhand der fachlichen Fähigkeiten des jeweiligen Schülers entscheidet die Lehrkraft über die Klassenstufe und die Schulart, die der jeweilige Schüler besuchen soll. Dabei sind wieder die persönlichen Wünsche des jeweiligen Schülers und dessen Eltern zu berücksichtigen. Manche Integrationsschüler haben in ihrem Heimatland eine schlechte schulische Ausbildung erfahren. Um eine altersgerechte Integration in den Regelschulbetrieb zu ermöglichen, ist für diese Schüler der Besuch einer Abendschule sinnvoll. Während der Teilintegration in den Regelschulbetrieb ist dem Schüler ein spezieller Beratungslehrer zuzuweisen. Dieser arbeitet gemeinsam mit dem Integrationsbeauftragten der zuständigen Schule ein maßgeschneidertes Integrationskonzept für den Schüler aus. Anhand dieses Integrationskonzeptes erfolgt die schrittweise Eingliederung. Während dieses Prozesses ist eine permanente Absprache zwischen dem Integrationsbeauftragten und Beratungslehrer notwendig. Der Integrationsbeauftragte hält wiederum Rücksprache mit den Fachlehrern des Schülers.

Dritte Etappe

Mit dem dritten Schritt sind die Schüler vollständig in den Regelschulbetrieb einzugliedern. Den Zeitpunkt dafür bestimmt der Beratungslehrer gemeinsam mit dem Integrationsbeauftragten der Schule. Neben dem Regelschulbetrieb soll nebenbei weiterhin Deutsch als Zweitsprache unterrichtet werden.

3. Integration in den Arbeitsmarkt

Um eine gute Integration in den Arbeitsmarkt zu gewährleisten, sind Praktika von hoher Bedeutung. Dafür braucht es Kooperationen mit außerschulischen Partnern. Außerschulische Partner können zum Beispiel Unternehmen, Vereine oder andere Institutionen in der Region der Schule sein. Unternehmen haben somit die Möglichkeit, Schüler mit Migrationshintergrund früh kennenzulernen und Vorurteile abzubauen. Der Schüler hat dabei die Möglichkeit, den Arbeitsmarkt noch vor dem Verlassen der Schule kennenzulernen. Die Voraussetzung dafür sind mehr Praktika innerhalb der Schullaufbahn. Der LandesSchülerRat fordert deswegen mehr Praktika innerhalb der Schulzeit. Diese Möglichkeit soll allerdings für alle Schüler gelten.

4. Integrationsbeauftragter an den Schulen

Die Integration von Schülern mit Migrationshintergrund in dem momentan zu erwartenden Umfang ist für den Großteil der sächsischen Schulen noch neu. Der LandesSchülerRat Sachsen setzt sich deshalb dafür ein, einen speziell geschulten Integrationsbeauftragten an jeder Schule zu etablieren, sofern Vorbereitungsklassen an der jeweiligen Schule vorhanden sind. Dieses Amt soll schulintern besetzt werden. Die dafür dringend erforderliche Qualifizierung sollte durch umfangreiche Fortbildungen erfolgen. Gleichzeitig muss für dieses Amt eine ständige Fortbildungsverpflichtung bestehen. Der Integrationsbeauftragte einer Schule soll die Interessen der Schüler mit Migrationshintergrund gegenüber der Schulleitung und dem Lehrkörper vertreten. Das Amt des Integrationsbeauftragten soll durch einen Gehaltsbonus vergütet werden. Die Ernennung soll dabei nur mit Zustimmung der Schulkonferenz geschehen. Des Weiteren hat er Rederecht in der Schulkonferenz.

5. Verständnis auf Schülerseite stärken

Ein Großteil der sächsischen Schülerschaft ist weltoffen und tolerant. Dennoch gilt es, das Verständnis für die Schüler mit Migrationshintergrund auf dieser Seite zu stärken. Viele Schüler wissen nicht, wie sie mit den Asylsuchenden umgehen sollen. Deswegen bedarf es im Unterricht eine stärkere Fokussierung des Themas Asyl und Flucht. Dabei sollten vor allem die Fluchtursachen beleuchtet werden. Außerdem gilt es, mehr über bestimmte andere Kulturen und Religionen zu vermitteln, um einen kulturell- und religionssensiblen Umgang untereinander zu ermöglichen.

6. Chancen für den ländlichen Raum nutzen

Viele ländliche Regionen leiden unter dem Schwund der Bevölkerung und die Abwanderungen in die Städte. Viele Flüchtlinge besuchen in den ländlicheren Regionen Schulen. Das ist eine enorme Chance für diese Regionen. Durch einen reibungslosen Übergang in den örtlichen Arbeitsmarkt gelingt es den dort ansässigen Unternehmen unter Umständen den Fachkräftemangel abzufedern. Der LandesSchülerRat Sachsen fordert die Wirtschaftsverbände deshalb dazu auf, dieses als große Chance zu begreifen und gemeinsam mit den bildungspolitischen Akteuren entsprechende Attraktivitätsprogramme aufzulegen.

7. Mehr Deutsch als Zweitsprache-Lehrer und Seiteneinsteiger

Durch die große Anzahl an Flüchtlingskindern und -jugendlichen kommen enorme Personalschwierigkeiten auf das sächsische Schulsystem zu. So gibt es in Sachsen nur wenige Lehrer die über die Zusatzqualifikation „Deutsch als Zweitsprache“ verfügen. Die Ausbildungskapazitäten dafür sind an den Hochschulen zu gering. Die sächsische Staatsregierung muss diese nun in Absprache mit den Hochschulen erhöhen. Des Weiteren fordert der LandesSchülerRat Sachsen, dass Deutsch als Zweitsprache zukünftig Pflichtbestandteil des Lehramtsstudiums für Deutsch sein soll. In absehbarer Zeit wird es durch die gestiegene Schülerzahl ebenfalls zu einem erhöhten Lehrermangel an den sächsischen Schulen kommen. Dies ist in Anbetracht der Lage eine verkraftbare Erscheinung. Dennoch fordert der LandesSchülerRat Sachsen von der Staatsregierung eine schnelle Behebung dieser Probleme durch Neueinstellungen. Über kurz oder lang muss es auch ein groß angelegtes Seiteneinsteigerprogramm geben, um dem Lehrerbedarf gerecht zu werden. Die Seiteneinsteiger sollen dabei über entsprechende Qualifikationen verfügen.

8. Duale Ausbildung

Der LandesSchülerRat Sachsen spricht sich für eine Dualausbildung aus, um den Einstieg in das Berufsleben zu erleichtern. Dabei erfolgt neben dem DaZ-Unterricht eine viereinhalbjährige Ausbildung.