Leitantrag zur 43. Landesdelegiertenkonferenz - „Digitale Revolution an Sachsen Schulen“: Unterschied zwischen den Versionen

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Aktuelle Version vom 7. Oktober 2016, 11:37 Uhr

Die digitale Bildung beschreibt einen vielschichtigen Lernprozess, der uns lebenslang begleitet. Pädagogisch sinnvoll eingesetzt, bieten die Ansätze der Digitalen Bildung einen Weg, um den Herausforderungen an Schulen zu begegnen. Die digitale Revolution breitet sich dabei nahezu auf alle Lebensbereiche aus und die Arbeit mit digitalen Medien sowie die Fähigkeit, diese zu bedienen, werden im Laufe der Zeit weiterhin zunehmen. Aufgabe der Schule ist es seit jeher, die Schülerinnen und Schüler auf ihr Leben nach der Schule vorzubereiten, weswegen die Vermittlung von Kompetenzen im digitalen Bereich im Besonderen zum Aufgabenbereich der Schule gehört. Internationale Vergleichsstudien weisen deutschen Lernenden ein unterdurchschnittliches Kompetenzniveau in diesem Lernbereich aus. Gleichzeitig belegen deutsche Schulen bei der Computernutzung im internationalen Vergleich den letzten Platz (vgl. International Computer and Information Literacy Study 2013). Dennoch besitzt praktisch jeder 12- bis 19-Jährige ein Smartphone (98% lt. JIM-Studie 2015). Dies bedeutet, dass die digitale Wirklichkeit zwar schon lange bei Kindern und Jugendlichen angekommen ist, während sich die deutschen Schulen davon bisher weitgehend abkapseln. Deswegen ist es nun höchste Zeit, sich an die Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler anzupassen und auch damit dem Bildungsauftrag wieder gerecht zu werden. Der LandesSchülerRat Sachsen sieht die Digitale Revolution an Schulen als komplexe Aufgabe und setzt sich im Zuge dessen dafür ein, folgende Punkte umzusetzen:

I. Hard- und Softwareausstattung

Moderne, digitale Bildung ist nur mit einer gewissen technischen Infrastruktur möglich. Daher ist es wichtig, auch sächsische Schulen mit entsprechenden Geräten auszustatten. Der LandesSchülerRat Sachsen fordert daher mittelfristig die Ausrüstung jeder Schülerin und jedes Schülers mit digitalen Medien, um einen digitalen Unterricht zu ermöglichen. Weiterhin fordern wir die sächsische Staatsregierung und die Träger der Schulen dazu auf, folgende Forderungen umzusetzen: 

  1. Sukzessiver Ersatz der veralteten Technik durch moderne Geräte. Diese sollen bei Anschaffung auf dem neusten Stand der Technik sein und alle fünf Jahre aktualisiert werden. 
  2. Einrichtung eines Portals für sächsische Schulen, um entsprechende Hard- und Software anzuschaffen. Die gelisteten Geräte sollen dabei für die Anforderungen im Schulalltag optimiert sein.
  3. Die Vergabe von Landeslizenzen für Betriebssysteme und weitere Programme an sächsische Schülerinnen und Schüler, ähnlich wie es an den Hochschulen bereits gängige Praxis ist.

II. Finanzierung 

Die Digitalisierung der sächsischen Schulen geht mit einem enormen finanziellen Aufwand einher. Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung müssen jährlich pro Schülerin und Schüler 465 Euro (1:1-Relation) für eine lernförderliche IT-Infrastruktur veranschlagt werden. Der LandesSchülerRat Sachsen spricht sich gegen eine Elternfinanzierung aus, insbesondere, um sozialpolitische Konflikte zu vermeiden.  Träger der Schulen - und damit für die IT-Infrastruktur dieser zuständig - sind in der Regel die Kommunen. Im Wissen, dass die Kosten für eine Vollausstattung einer Schule das Budget der kommunalen Familie übersteigt, fordern wir den Freistaat Sachsen und die Landesregierung auf, entsprechende Fördermaßnahmen zur Unterstützung der Schulträger aufzulegen. Die Programme MEDIOS I und MEDIOS II können dabei als Beispiel dienen. Weiterhin sprechen wir uns für die Auflösung des Kooperationsverbots zwischen Bund und Ländern im Schulbereich aus, um eine Co-Finanzierung durch Bundesmittel zu ermöglichen. Der LandesSchülerRat Sachsen fordert zudem, freigewordene Mittel aus der BAföG-Finanzierung zum Erreichen dieses Zieles einzusetzen. Auch weitere Finanzierungsquellen wie die Kooperation mit der Wirtschaft sollten dabei in Erwägung gezogen werden. 

III. Infrastruktur 

Der LandesSchülerRat Sachsen fordert die sächsische Staatsregierung dazu auf, die  technische Infrastruktur an sächsischen Schulen auf einen angemessen Stand zu bringen. Dazu gehört die Schaffung interner Netze und Server, ihrer professionellen Pflege, der Anschluss an das Breitbandnetz und die Schaffung einer sicheren digitalen Lernumgebung.

1. Schaffung interner Netze und Server  

Der LandesSchülerRat Sachsen fordert die Einrichtung eines sächsischen Schulnetzwerkes, in dem alle sächsischen Schulen verbunden sein sollen. Damit ist  ein effizienterer Austausch zwischen Behörden und weiteren Schulen möglich. Die Schulbauleitlinien der Kommunen sind hinsichtlich des Ausbaus struktureller Verkabelung und der Installation von WLAN-Technik in Neubauten bzw. grundlegenden Sanierungsmaßnahmen zu erweitern. 

2. Anschluss an das Breitbandnetz 

Alle sächsischen Schulen müssen kurzfristig an das Breitbandnetz angeschlossen werden. Der LandesSchülerRat Sachsen fordert dabei ab 2020 eine Mindestgeschwindigkeit von 100 Mbit/s für jede Schule. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen auch moderne Hybridlösungen in Betracht gezogen werden. Der LandesSchülerRat Sachsen fordert die Staatsregierung deshalb dazu auf, Schulen beim Ausbau des Netzes prioritär zu behandeln und die Bedarfspläne entsprechend anzupassen. 

3. Professionelle Pflege des Schulnetzes sowie der Hard- und Softwareausstattung 

Der LandesSchülerRat Sachsen drängt auf die Einrichtung eines landesweiten Schul-IT-Dienstleisters für die zentrale Steuerung und Wartung der Schulsysteme. Weiterhin soll für jede Schule nach Bedarf ein Mitarbeiter des Dienstleisters bereitstehen, der sich um die Wartung von den Systemen vor Ort kümmert. 

IV. Datenschutz 

Mit der Digitalisierung gehen neue Aufgaben im Bereich des Datenschutzes einher. Das Verwaltungsnetz soll weiterhin vom World Wide Web getrennt behandelt werden. Lehrer müssen im Umgang mit Datenschutz speziell geschult werden. Jede Schule hat einen Lehrer zum Datenschutzbeauftragten zu ernennen. Schülerinnen und Schülern soll gezeigt werden, wie sie am besten mit personenbezogenen Daten umgehen. Dies umfasst ebenso die Anwendung von Social Media im Unterricht. 

V. Modernisierung des Unterrichts

Der LandesSchülerRat Sachsen empfiehlt eine umfassende Modernisierung des Unterrichts. Dies umfasst die Ergänzung von Lehrmitteln durch Tablets oder Ultrabooks ab Klassenstufe 7. Schülern soll dabei gestattet werden, die besagten Endgeräte selbst mitzubringen (bring your own device). Das führt zur Verminderung der Belastung der Gesundheit durch eine geringere Belastung des Rückens. Die Schulverwaltung soll sich dabei nicht von ihrer Pflicht befreit sehen, ausreichend moderne technische Geräte zur Verfügung zu stellen. Mit digitalen Medien haben Schüler und Lehrer vor allem die Möglichkeit, (Offline-)Wörterbücher, (Offline-)Tafelwerke, sowie Bücher, Atlanten und Arbeitshefte in elektronischer Form zu nutzen. Des Weiteren können Taschenrechner (auch GTR oder mit CAS) durch Software für Tablets und Ultrabooks ersetzt werden. Die durch diese Einsparungen gewonnenen Mittel sollen für die weitere Anschaffung von Tablets oder Ultrabooks verwendet werden. Für Leistungsermittlungen sollen elektronische Endgeräte ebenfalls nutzbar sein. Um etwaigen Betrugsversuchen Einhalt zu gebieten, müssen bei der Anschaffung von Tablets gleichzeitig Störsender erworben werden. Diese können dann genutzt werden, um ein Kommunikation mit dem World Wide Web zu verhindern. Des Weiteren soll es jedem Schüler gestattet werden, ein freies WLAN-Netz (eduroam), wie es bereits an Universitäten praktiziert wird, nutzen zu können. Dies soll nur für Unterrichtszwecke zugänglich sein. Installierte Sperren oder Proxy-Server können dabei die Inhalte auch auf diesen Geräten filtern.

VI. eLearning-Plattformen

Die verschiedenen Angebote (LernSax, OLAT und Moodle; siehe http://www.schule.sachsen.de/12141.htm) überschneiden sich deutlich in ihren Anwendungsbereichen und unterscheiden sich hingegen in ihrem Funktionsumfang teils nur geringfügig. Der LandesSchülerRat Sachsen fordert daher, die bereits vorhandenen eLearning-Plattformen zu bündeln und nur die Weiterentwicklung von OLAT als einzige eLearning-Plattform für Sachsen zu forcieren, da diese im Umfeld der Universitäten bisher am besten erprobt ist. Das SMK soll einen Anforderungskatalog für diese Plattform erstellen und dabei die Erfahrungen der bisherigen Nutzer mit einbeziehen. Schulen ist in diesem Prozess eine erweiterte Möglichkeit der Evaluation zu gewährleisten, um ihrem Bedarf gerecht zu werden. Durch die Bündelung der Plattformen können zudem Lehrer sowie andere Anwender gezielt geschult und als Multiplikatoren eingesetzt werden.

VII. Unterrichtsfächer

Da innovative Technik in unserem Leben eine immer wichtigere Rolle spielt, ist es besonders wichtig, diese intensiv und nachhaltig an der Schule zu etablieren. Die Computernutzung allein im Informatikunterricht reicht dafür nicht aus. Um das technologische Verständnis von Schülern zu fördern, ist es nötig, die Nutzung von digitalen Systemen in möglichst vielen Fächern zu fordern. In technischen Fächern, wie z. B. Physik ist durch die Nutzung von Tablets resp. Ultrabooks die Erstellung von Modellen möglich, die dazu beitragen, den gelernten Stoff besser zu verstehen. Technologische Innovationen im Unterricht zu verwenden, ist also nicht nur für ein oder zwei Fächer sinnvoll, sondern nahezu jedes kann davon profitieren. Der Informatikunterricht muss modern und zeitgemäß gestaltet werden. Dafür ist es nicht ausreichend, aller 10 Jahre ein neueres Betriebssystem oder Office-Paket zu installieren, es ist wichtig, den Schülern Innovationen so schnell wie möglich zu präsentieren und sie damit arbeiten zu lassen. Wir brauchen Fortschritte und keine reaktionären Handlungen von Politikern und Verwaltungsangestellten, die hierbei nur auf ihre leeren Kassen schauen, wir benötigen Visionen und Innovationen, die dazu beitragen, Sachsens Schüler zu wahren technologischen Fachkräften zu erziehen, die überall in Europa gefragt sind, aufgrund ihres immensen Wissens in diesem Fachbereich. Eine wichtige Schlüsselkompetenz stellt dabei die Fähigkeit des Programmierens dar. Der LandesSchülerRat Sachsen fordert deshalb die zentrale Verankerung der wichtigsten Programmiersprachen als Lehrplaninhalte sowie deren Bezug zu modernen Innovationen. Der Informatikunterricht ist der Schlüssel, um dieses Ziel zu erreichen. Er kann die Grundlagen legen, um Schülern zu zeigen, wie wichtig digitale Neuerungen sind und wie diese funktionieren. Dieser kann auch die Nutzung solcher Geräte in anderen Fächern vorbereiten, also als Bindeglied zwischen Wissen und Innovation fungieren.

VIII. Fortbildungsmaßnahmen für Lehrer

Für die digitale Schule sind nicht nur eine entsprechende technische Ausstattung wichtig, sondern auch Lehrkräfte, die diese effektiv nutzen. Gegenwärtig sind Lehrer augenscheinlich nicht bereit für die Medien des 21. Jahrhundert, entweder, weil ihnen die Möglichkeit zur fachthematischen Weiterbildung nicht gegeben ist, oder, weil der Wille dazu fehlt, sich ansatzweise von der Kreidetafel zu lösen. Der LandesSchülerRat Sachsen fordert daher umfangreiche, regelmäßige Fortbildungsprogramme für alle Lehrkräfte an öffentlichen Schulen. Die Fortbildungen sollen sowohl die Ausbildung im Umgang mit vorhandenen technischen Lehr- und Lernmitteln als auch Lehrmethoden für die Förderung der Medienkompetenz der Schüler beinhalten.  Da die technische Ausstattung der Schulen höchstwahrscheinlich auch in den kommenden Jahren variieren wird, sind individuelle Fortbildungen an den jeweiligen Schulen sinnvoll. Dabei werden die Lehrkräfte praktisch in die Ausstattung der Einrichtung eingewiesen und insbesondere im Umgang mit spezifischen Programmen geschult. Damit sich der alltägliche Unterricht anschließend nicht auf wenige, vom jeweiligen Lehrer präferierte Programme beschränkt, ist dabei besonders auf die Vielfalt der Programme und ihre Anwendungssituation einzugehen. Diese Schulung soll regelmäßig wiederholt werden. Der LandesSchülerRat Sachsen empfiehlt dabei ein Zeitintervall von maximal zwei Jahren, wenn die Schule mit neuer Hardware oder Software ausgestattet wurde. Die Schulleitung soll Bedarf an zusätzlichen Schulungen der Lehrkräfte bei der zuständigen Stelle anmelden können.  Schüler lernen den Umgang mit digitalen Medien gegenwärtig hauptsächlich nur untereinander und im familiären Umfeld. Um eine verantwortungsvolle Nutzung auch außerhalb des Informatikunterrichts zu fördern, sind fächerübergreifende Konzepte notwendig. Voraussetzung dafür sind Lehrkräfte, die mit der Förderung der Medienkompetenz vertraut sind. Der LandesSchülerRat Sachsen empfiehlt in diesem Zusammenhang regelmäßige Fortbildungen, mindestens jedes vierte Jahr, in denen allen Lehrern die gleiche Grundlage an Lehrmethoden zur Stärkung der Medienkompetenz der Schüler gegeben wird.