Offensive Zukunftsperspektive –Leitantrag der 37. Landesdelegiertenkonferenz: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 4. März 2018, 12:20 Uhr

Ist-Stand

Hauptziel der schulischen Ausbildungeines jeden Schülers ist es, durch die Vermittlung der notwendigen Fähigkeiten und des benötigten Wissens auf das spätere Berufsleben vorzubereiten. Berufs-und Studienorientierung ist ein wichtiger Bestandteil der Schulausbildung, da sie gezielt auf die Individualität der Schüler eingeht und mögliche Wege der späteren Berufslaufbahn anhand dieser individuellen Kompetenzen aufzeigt.Momentan ist die Berufs-und Studienorientierung (BO/StO) an vielen sächsischen Schulen nur ein Randthema und stellt in den meisten Fällen keine kontinuierliche Begleitung des Schülers auf seinem Weg zur Berufs-und Studienwahlkompetenz dar. Es gibt große Unterschiede bei der Realisierung. Einige Schulen betreiben herausragende Projekte, andere Schulen bieten kaum Optionen.Während an vielen Mittelschulen im Freistaat gute Projekte und Konzepte den Schülern die BO/StO erleichtern, gibt es besonders an den Gymnasien großen Nachholbedarf. Das führt vor allem bei Abgängern ohne Abitur zu großen Herausforderungen den richtigen Weg inder Berufslaufbahn einzuschlagen. In den Städten ist das Angebot an außerschulischen Partnern in der Regel sehr hoch, wodurch feste Kooperationen zwischen Schulen und Unternehmen, Hochschulen oder sozialen Einrichtungen weniger stark vertreten sind. Im ländlichen Raum hingegen haben feste Kooperationen einen höheren Stellenwert. Der Wille zur Öffnung gegenüber außerschulischen Partnern ist trotz positiver Beispiele bei vielen Schulen nicht zu sehen.Durch ein Überangebot an Informationen zum Thema BO/StOwerden die Schüler und Lehrer belastet. Eine Koordinierung der Projekte und Maßnahmen ist nicht zu finden. Teilweise werden den Schülern gleiche Schwerpunkte und Inhalte durch unterschiedliche Anbieter vermittelt. Ein Qualitätsmanagement von Maßnahmen derBO/StO ist an den meisten Schulen und bei den Projekten nicht bzw. unzureichend vorhanden, deswegen gehen Angebote an den tatsächlichen Bedürfnissen der Schüler vorbei. Viele Projekte werden zudem durch den Europäischen Sozialfond (ESF) finanziert und sind somit nicht langfristig angelegt, es mangelt an festen Strukturen. Derzeit verlassen jährlich 10% der sächsischen Schüler die Schule ohne einen Schulabschluss. Diese haben keine Chance auf dem Arbeits-und Ausbildungsmarkt und finden sich perspektivlosim Teufelskreislauf des Sozialsicherungssystems wieder. Dies ist nicht nur volkswirtschaftlich gesehen sehr teuer, sondern für die Betroffenen ein schwerwiegendes Schicksal.

Forderungen

Das Thema BO/StO muss an den sächsischen Schulen mehr in den Mittelpunkt gerückt werden. Aus diesem Grund stellt der LandesSchülerRat Sachsen folgende Forderungen:

Bereich „Schule“

Ein Schüler, der mit der Schule abschließt, muss Zugänge zu Ausbildung, Studium und Beruf kennen, sich praxisorientiert mit der Arbeitswelt auseinander gesetzt haben, wissen, welche Fähigkeiten, Stärken und Interessen er besitzt, begründete Entscheidungen für seinen weiteren Bildungs-bzw. Arbeitsweg treffen können sowie berufliche Alternativen kennen (angelehnt an „Ziele und Qualitätsstandards des sächsischen Qualitätssiegels für Berufs-und Studienorientierung“).Der LandesSchülerRat Sachsen fordert, dass alle weiterführenden sächsischen Schulen ein verpflichtendes BO/StO-Konzept entwickeln und anwenden müssen, welches auf die Individualität derSchule, ihres Umfeldes und ihrer Schülerschaft abgestimmt ist. Im Konzept sollen konkrete Maßnahmen festgeschrieben sein, welche sich auf die Kernziele der Klassenstufen im Bereich BO/StO und die jeweiligen Lehrplänebeziehen. Die BO/StO-Arbeit muss sich in den einzelnen Klassenstufen aufeinander aufbauen und sich immer wieder auf bisher Gelerntes beziehen. Das Konzept muss in allen Unterrichtsfächern im Rahmen der Möglichkeiten aufgegriffen und gut und transparent kommuniziert werden, damit es von Schülern nachvollzogen werden kann.Zur Erarbeitung und zur permanenten Evaluierung sowie Fortentwicklung des BO/StO-Konzepts müssen vielfältige Akteure mitwirken. Wir fordern, dass ein ständiges BO/StO-Team an jeder Schule errichtet wird, welches aus den BO/StO-Lehrern, weiteren Fachlehrern, der Schulleitung, Schüler-und Elternvertretern sowie bei Bedarf Vertretern der regionalen Wirtschaft, der Arbeitsagentur, der sächsischen Bildungsagentur und weiteren Kooperationspartnern der Schule besteht. Die Aufgabe dieses Teams ist es, die BO/StO an den jeweiligen Schulen konzeptionell aufzubereiten und verschiedene Interessen und Erfahrungen in den Erarbeitungsprozess einzubringen.Die BO/StO-Lehrer müssen weiter gestärkt werden. Sie tragen die Verantwortung für die Koordinierung der BO/StO-Arbeit an den einzelnen Schulen. Da ein hoher zeitlicher Aufwand und viel zusätzliche Arbeit mit dieser Aufgabe verbunden sind, fordern wir Anrechnungsstunden für BO/StO-Lehrer an den sächsischen Schulen. Das Engagement im BO/StO-Teamder Schule muss auf Anfrage jedem Schüler im Zeugnis bescheinigt werden.Ein stärkeres Engagement von Eltern und somit das Einbringen vieler Berufserfahrungen kann BO/StO realitätsnah und lebenspraktischer gestalten.Eine bessere individuelle Förderung der einzelnen Schüler trägt zu einem besseren Lernerfolg bei und hilft bei der Realisierung von Berufs-und Studienwünschen. Konkret soll eine jährliche Reflektion der Stärken und Schwächen der Schüler stattfinden, individuelle Lernvereinbarungen und Lernabsprachen zum Erreichen des jeweiligen Traumberufs geschlossen werden sowie gezielter Förderunterricht für leistungsschwache Schüler und Drehtürmodelle zur Begabungsförderung flächendeckend angeboten werden.Auch die Ganztagsangebote müssen gestärkt werden. Sie dienen der speziellen Förderung von Interessen und bringen außerdem Fachleute in unterschiedlichen Berufszweigen an die Schulen.Der Berufswahlpass als Instrument der systematischen Begleitung der BO/StO muss eine regelmäßigere Anwendung im Unterricht finden. Vor-und Nachbereitungen von BO/StO-Maßnahmen sollten mit dem Berufswahlpass erfolgen.

==Bereich „außerschulische Partner“==Die sächsischen Schulen müssen noch mehr mit der regionalen Wirtschaft zusammenarbeiten und kooperieren. In Zeiten von Fachkräftemangel und hohen Schulabbrecherquoten ist es sinnvoll durch solche Kooperationen Symbioseeffekte zu erzielen.Auch die Zusammenarbeit der Schulen mit Berufsschulzentren, Hochschulen, Universitäten, der Arbeitsagentur, Kultureinrichtungen, sozialen Einrichtungen, der Sächsische Bildungsagentur und anderen außerschulischen Bildungspartnern muss stärker ausgeprägt werden, damit Bildungsübergänge fließend und problemlos gestaltet werden. Außerschulische Partner sollen nicht nur informieren, sondern auch konkrete und innovative Projekte anbieten.Die neu entstandenen Koordinierungsstellen BO/StO der Landkreise und kreisfreien Städte müssen intensiv genutzt und gut in die BO/StO-Arbeit in den Regionen eingebunden werden. Sie sind die primären Ansprechpartner für Schulen in den Landkreisen und kreisfreien Städten.Die Arbeitskreise Schule-Wirtschaft, als Experten-und Vernetzungsgremium von Wirtschafts-und Schulvertretern, sollten intensiv genutzt werden.Bereits vorhandenen Instrumente und Projekte der BO/StO, wie z.B. „Schau rein“ -Die Woche der offenen Unternehmen, BO/StO-Messen oder der Hochschultag sollten weiterhin in die BO/StO-Arbeit einbezogen werden.

Bereich „Praktika und Praxisnaher Unterricht“

Berufs-und Studienorientierung muss schon ab der 7. Klasse (Orientierungsphase) praxisnah umgesetzt werden. Mehr Schulpraktika im Laufe der Schullaufbahn sind dabei ein wichtiger Schritt die wirkliche Arbeits-und Berufswelt kennenzulernen und für den Schüler eine Möglichkeit sich selbst auszutesten.Der LandesSchülerRat Sachsen fordert verpflichtende Praktika in den Klassenstufen 8, 9, 10 (Mittelschulen) bzw. 9, 10, 11 (Gymnasium). Das Praktikum an Gymnasien in Klasse 11 soll sich dabei vor allem im Bereich der Studienorientierung bewegen. Dazu müssen diesächsischen Hochschulen und Universitäten generell mehr Praktikumsplätze und Informationsveranstaltungen anbieten.Bei Schulpraktika müssen Praktikumsvereinbarungen zwischen Schule und Einrichtungen abgeschlossen werden, welche zu vermittelnde Kompetenzenund Wissen genau definieren. Dadurch sollenreine„Alibi-Praktika“, wie einfache Büroarbeiten oder Kaffeekochen, verhindert werden.Ein verstärkter praxisnaher Unterricht, Exkursionen und Unterrichtsbesuche können BO/StO erleichtern und dem Schüler besondere Einblicke in verschiedene Berufsrichtungen geben.Lebenspraktische Unterrichtsinhalte, wie zum Beispiel das Erstellen einer Steuererklärung, das Lesen von Verträgen, das Kennenlernen von Tarifen und Informationen zur Finanzierung von Studium oder Ausbildung, müssen eine stärkere Rolle spielen, damit die Schüler in der Lage sind, sich eigenständig nach der Schule orientieren zu können.Verpflichtende Lehrerpraktika und Weiterbildung der Lehrer in außerschulischen Einrichtungen müssen im Umfang von mindestens einer Woche im Jahr stattfinden.

Bereich „Schüler“

Auch den Schülern kommt große Verantwortung bei der BO/StO zu. Teil dieser Eigenverantwortlichkeit sind beispielsweise das Suchen und Recherchieren von Informationen und das Führen von Gesprächen im Bereich BO/StO .Zusätzliche Praktika in der unterrichtsfreien Zeit sollten durch jeden Schüler angestrebt werden, um sich selbst weiterzubilden.

Bereich „Aufgaben der Landespolitik“

Die Landespolitik muss dringend neue Regelungen zur BO/StO treffen. Die landesweite Richtlinie für BO/StO muss durch das Kultusministerium überarbeitet werden. Sie umfasst Lehrplanbezüge, Kernziele und Qualitätskriterien der BO/StO. Dabei sollte sich an den Qualitätsstandards und Anforderungen des sächsischen Qualitätssiegels für Berufs-und Studienorientierung orientiert werden. Jede sächsische Schule sollte im Prinzip eine Schule mit Standard des Qualitätssiegels im Bereich der BO/StO sein.Des Weiteren muss es eine bessere und verstärkte Zusammenarbeit von SMK,SMWAund SMWKgeben.Eine zentrale Koordinierung durch das Land ist nötig, zum Beispiel in Form einer Koordinierungsstelle.Abschließend muss das Thema BO/StO im sächsischen Schulgesetz verankert werden.