Bildung für Nachhaltige Entwicklung

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Nachhaltigkeit ist seit 1994 als Staatsziel der Bundesrepublik Deutschland in Ar-tikel 20a GG verankert. Um dieses Ziel zu erreichen, also weniger zu verbrau-chen als sich die Erde regenerieren kann. Dafür benötigt es Staatsbürger, die sich mit diesem Ziel identifizieren können und die Fertigkeiten erlangt haben, dies umzusetzen.
Diesen Prozess bezeichnet man als Bildung für Nachhaltige Entwicklung, kurz BNE. Die Bundesregierung beschreibt damit "Bildung, die Menschen zu zukunftsfähi-gem Denken und Handeln befähigt: Wie beeinflussen meine Entscheidungen Menschen nachfolgender Generationen oder in anderen Erdteilen? Welche Auswirkungen hat es beispielsweise, wie ich konsumiere, welche Fortbewe-gungsmittel ich nutze oder welche und wie viel Energie ich verbrauche? Welche globalen Mechanismen führen zu Konflikten, Terror und Flucht? Bildung für nachhaltige Entwicklung ermöglicht es jedem Einzelnen, die Auswirkungen des eigenen Handelns auf die Welt zu verstehen und verantwortungsvolle Entschei-dungen zu treffen." (http://www.bne-portal.de/de/einstieg)
„BNE ist kein neues Fach, sondern eine inhaltliche Ausrichtung, welche allen Disziplinen als Orientierung dient und auch die Schulen als Ganzes prägt. Sie muss deshalb fächerübergreifend angegangen werden.“
(http://www.education21.ch/de/bne/was-ist-bne)

Handlungsfeld 1 Persönlichkeitsentwicklung –Kognitionsentwicklung, Ausschöpfung des individuellen Leistungspotenzials

Im Laufe seines Lebens durchläuft ein Mensch verschiedene Phasen seiner Kognitionsentwicklung. Kognition beschreibt die Fähigkeit, Informationen auf-nehmen, verarbeiten und auf diese reagieren zu können. Hierzu zählen die Wahrnehmung über die Sinnesorgane, das Denken, Lernen, Erinnern sowie die Motivation und Konzentration.
Diese Teile des kognitiven Lernprozesses sollen in der Schule geschult und in den Blick genommen werden. Vom frühkindlichen bis ins Grundschulalter hin-ein wird die Wahrnehmung über die Sinnesorgane geschärft, der Denk-, Lern-, Erinnerungs-, Motivations- und Konzentrationsprozess erfährt auf der weiter-führenden Schule eine grundlegende Veränderung aufgrund der Hormonhaus-halt- und Gehirnneustrukturierung während der pubertären Phase.
Bis zum Einsetzen der Pubertät ist unser Gehirn allgemein ausgerichtet, Spezia-lisierungen treten erst in der Adoleszenz auf. Auf dieser Veränderung baut das „use it or lose it“-Prinzip auf, das beschreibt, Nervenverbindungen, die häufig genutzt werden verstärken sich, peripher eingesetzt werden gekappt, um den Spezialisierungen die Möglichkeit zu geben, sich entfalten zu können. Wenn im Grundschulalter allein bildliches Denken funktionierte, kann der Schü-ler einer weiterführenden Schule im immer stärker werdenden Maße abstrakt, also losgelöst von bildlichen Strukturen, sondern allein auf geistiger Ebene ge-formte Modelle, durchdenken und erfassen. Diese Bedingungen müssen durch die Lehrkräfte beachtet und den Schülern ein Verständnis für den Lern- und Denkprozess verdeutlicht werden. Die Schule muss beim Lernen unterstützen und Modelle des Lernens vermitteln, damit dieses nachvollziehbarer und für den Schüler besser organisierbar ist. Umzu-setzen ist dies durch die Forderung des LSR Sachsen, das Fach „Lernen lernen“, das an manchen Schulen von der fünften bis maximal zur siebenten Klasse an-geboten wird, auszubauen und einen eigenen Lehrplan zur Verfügung zu stel-len, der sich damit befasst (s. 42. LDK; Antrag: Lernen lernen). Aufgrund der Ver-änderung des Lern- und Denkprozesses innerhalb der Pubertät, muss dies auch immer wieder an das Alter der Schüler angepasst werden. In den Klassenstufen 8 bis 13 können solche Inhalte durch den Biologie- und Ethik- bzw. Religionsun-terricht vermittelt werden. Schule als Institution, die auf das Leben vorbereiten soll, muss dem Schüler ge-nügend Freiräume lassen, selbst zu erkunden, was die Welt im Innersten zu-sammenhält. Durch selbstständige Arbeit wird man auf das vorbereitet, was mach der Schulzeit kommen wird. Weniger Unterstützung bei Aufgaben das Le-ben betreffend, dabei kann man beispielsweise Anträge bei Behörden und Steu-ererklärungen anführen. Als Hilfe zur Selbsthilfe kann dies auch bezeichnet werden.
Dafür müssen Lehrpläne entlastet und dem Lehrer mehr Freiraum zur Gestal-tung seines Unterrichtes eingeräumt werden.
Schule soll für Lernende mehr als ein Ort des Lernens sein, Schule soll als Teil des Lebens betrachtet werden, der auch ein gesellschaftliches Leben durch bspw. GTAs und AGs, Freistundengestaltung und soziale Interaktion mit ver-schiedenen Persönlichkeiten beinhaltet. Wir benötigen eine positive Lernat-mosphäre, die maßgeblich durch die Gestaltung des Schulgebäudes, dabei mit eingeschlossen den Unterrichtsräumen, geschaffen werden kann. Zusammen-halt der Schüler, die essentiell für ein gutes Lernklima ist, erreicht man durch Traditionen und Projektwochen. Diese lassen die Schüler an einem Projekt ar-beiten, das sie gemeinsam vollenden und so eine Einheit werden, die miteinan-der auskommt und Verständnis füreinander entwickelt.

Handlungsfeld 2: (Inter-)Kulturelle Bildung – Kulturpluralismus, Anti-Ethnozentrismus, Multiperspektivität/Fremdverstehen

In den letzten Jahren gingen immer stärkere Veränderungen des kulturellen Zu-sammenlebens in Deutschland und damit auch in Sachsen vonstatten. 2013 war noch nicht abzusehen, welche Dimension die Zuwanderung aus anderen kultu-rellen Kreisen in den nächsten Jahren erreichen wird. Das Sächsische Staatsministerium für Kultus bereitete sich und die Schulen, nachdem man vermuten konnte, wie viele Menschen zu uns stoßen können, in-soweit nicht ausreichend vor, dass es versäumt wurde, die Schülerinnen und Schüler darüber aufzuklären, wer zu uns kommt und wie die Integration umge-setzt werden soll. Das war ein fataler Fehler.
Diesen gilt es zu beheben, indem wir nun für die Probleme, die aus denen, vom Kultusministerium nicht eingeleiteten Maßnahmen resultieren, Lösungsvor-schläge unterbreiten.
Wir müssen innerhalb der Bildungsstandorte die interkulturelle Bildung ver-stärken und ausbauen. Den Lernenden muss die Kompetenz in der Schule ver-mittelt werden, andere Kulturen zu verstehen, indem andere Perspektiven wäh-rend des Unterrichtes in den Mittelpunkt gerückt werden, Respekt anderen Le-bensweisen gegenüber gelehrt und das Hinterfragen der eigenen Ansichten und Positionen beigebracht wird. Hierbei soll erreicht werden, dass ein friedli-ches und unvoreingenommenes Miteinander zwischen Menschen unterschied-licher kultureller Erziehung und Erfahrung möglich wird. Besonders in der Schu-le, die durch die Integration von geflüchteten Jugendlichen betroffen ist, müs-sen Schüler eine Kompetenz vermittelt bekommen, mit Menschen aus anderen Kulturkreisen tolerant und ohne Vorurteile umzugehen, da ein Aufeinandertref-fen durch das sächsische, dreistufige, schulische Integrationsmodell unver-meidbar wird.
Auch im Arbeitsleben ist die interkulturelle Kompetenz ein essentieller Teil ge-worden, da Deutschland, in diesem Zusammenhang auch Sachsen, durch eine globalisierte Arbeitswelt immer internationaler wird und somit mit Menschen zusammenarbeiten wird, deren Wurzeln fernab des europäischen Kontinents liegen.
Besonders in gesellschaftswissenschaftlichen Fächern wie Deutsch, Ethik oder Religion und Gemeinschaftskunde sollen die interkulturellen Kompetenzen der Schüler geschult werden, indem die gesellschaftlichen Modelle der unterschied-lichen Regionen der Erde dargestellt sowie vermittelt werden. Dadurch wird ein besseres Verständnis für andere Lebensweisen geschaffen, was existentiell für eine friedliche, pluralistische Gesellschaft und die Bekämpfung von Rassismus (Anti-Ethnozentrismus) und Fremdenfeindlichkeit ist.

Handlungsfeld 3: Alltagskompetenz – Aufgaben eines Staatsbürgers, Arbeitswelt, Partizipation am gesellschaftlichen Leben

Die Schule muss den Schüler auf sein späteres Leben vorbereiten. Ihre Aufgabe ist es, nach dem Abschluss einen mündigen, kompetenten Menschen und Staatsbürger in die Berufswelt zu entlassen. Die Vermittlung von Alltags- bzw. Lebenskompetenz ist wesentlicher Bestandteil des schulischen Bildungsauftra-ges. Alltagskompetenz äußert sich in vielen Facetten. Am Ende muss stehen, dass der Schüler in der Lage ist, sich in einer immer komplexeren und vielseiti-gen Welt zu Recht zurechtzufinden.
Ein Bürger muss in der Lage sein, gegenüber dem Staat souverän aufzutreten. Dies gilt insbesondere in Bezug auf den Kontakt mit Behörden und Ämtern. Die Schule muss dem Schüler vermitteln, welche Institutionen für ihn von Bedeu-tung sind. So muss klar sein, welche Behörde wann von Interesse ist, und an wen man sich bei Fragen, Anliegen und Beschwerden wenden kann. Der Schüler muss die Möglichkeit erhalten, seine späteren Bürgerechte und -pflichten ken-nenzulernen. Bisher erhält man in den Schulen in Sachsen zwar Faktenwissen, aber praktische Fähigkeiten wie das ausfüllen einer Steuererklärung oder das Verständnis des Versicherungssystems sind bisher kein Bestandteile des Unter-richts, obwohl sie von elementarere Bedeutung für das spätere Leben sind. Ebenso gilt es, Dinge des Alltags zu vermitteln. Mieten, Wohnungssuche, Ar-beitssuche, das alles kommt auf den Schüler zu, wenn er ins Berufsleben ein-steigt, die Schule muss darauf vorbereiten. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, fordern wir, die angesprochenen Inhalte in den GRW- und GK-Unterricht zu integrieren, und beide Fächer mit einer weiteren Wochenstunde einzuplanen. Wir fordern weiterhin, den Unterricht beider Fächer ab Klasse 8 und Verweisen auf bereits existrierende Konzepte des LSR.


Handlungsfeld 4: Politische Bildung – Menschenrechtsbildung, Demokratieerziehung, Humanismus

Politische Bildung ist eins der zentralen Themen unserer Gesellschafft. Dass die politische Bildung auch in dem Kontext „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ relevant ist, ist nicht nur historisch begründet, sondern auch in der Bedeutung dieses Begriffes. Den Bürger zur Mündigkeit zu erziehen und die aktuelle Herr-schaftsordnung zu verstehen sind nur zwei dieser Relevanzen. Um die demo-kratische Gesellschaftsordnung zu sichern, ist politische Bildung bedeutend. Die Sächsische Landesverfassung spricht der Schule die Aufgabe zu, nach Abschnitt 9 „Das Bildungswesen“ Artikel 101, politisch zu bilden. So steht auch in den Lehrplänen, dass Schule sich als „Ausgangspunkt für die Entwicklung eines mündigen Staatsbürgers, der engagiert und verantwortungsvoll als Bürger das Leben im freiheitlichen Gemeinwesen mitgestaltet.“
„Doch um dies zu gewährleisten braucht es eine erhöhte Qualität des Unter-richtes. Nur so kann das Interesse an politischen Zusammenhängen gestärkt werden. Diese Qualität hängt maßgeblich vom Lehrer ab. Doch das Lehrperso-nal hat im Rahmen des GRW und GK Unterrichtes oft nicht den nötigen Frei-raum, um offen und ausreichend über politische Themen zu diskutieren, die aktuell sind oder die Lebenswirklichkeit der Schüler direkt betreffen.“
Des Weiteren muss die gelebte Demokratie bereits in der Grundschule eine Rol-le spielen. Dabei spielen bildungspolitische Inhalte nicht nur im Fachunterricht für Gemeinschaftskunde eine Rolle, vielmehr sollte politische Bildung an der ge-samtem Schule im Rahmen eines fächerübergreifenden Unterrichts und in die Schulgemeinschafft bewusst etabliert werden. Wir verweisen auch hier auf be-reits existente Konzepte des LSR (siehe Anhang) und fordern ergänzent dazu die Ausweitung politischer Bildung auf die Primarstufe. Um die praktische Um-setzung der Forderungen möglich zu machen, erachten wir es als grundlegend wichtg, sämtliche Ebenen der politischen Bildung mit einzubeziehen. Der Fach-unterricht ist gemäß der Forderungen im Anhang zu gestalten. Die fächerüber-greifenden Tätigkeiten müssen öfter und konkreter auf Inhalte aus dem Feld politischer Bildung eingehen. Zuletzt ist es von großer Bedeutung, die Schulge-meinschaft an sich mit ihren Strukturen und Hierarchien zu sensibilisieren und mit ihnen die Schüler an das Thema heranzuführen.

Handlungsfeld 5: Ökonomische Bildung – Wirtschaftssystem, nachhaltige Wertschöpfungs-ketten, Wirtschaftsethik

Für die Entwicklung eines nachhaltigen Wirtschaftens durch zukunftsverant-wortliches Denken, eigenständiges soziales, ökologisches, politisches und wirt-schaftliches Urteilsvermögen sowie der Fähigkeit, am politischen und wirtschaft-lichen Geschehen der Gesellschaft gleichberechtigt teilnehmen zu können, ist Bildung von besonderer Bedeutung.
Wirtschaft und Konsum sind eng miteinander verzahnt. Aufgabe der Schule muss sein, ausgehend von Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler, ver-schiedenste Aspekte von Wirtschaft und Konsum sowie deren Wechsel- und Nachwirkungen zu thematisieren.
Die Schülerinnen und Schüler sollen im Rahmen dieses Unterrichtes Produkti-ons- und Arbeitswelten tiefgehend erkunden und ihre gewonnenen Erfahrun-gen auf ihre Zukunftsplanung anwenden. Das Kennenlernen wirtschaftlicher Regeln und Prozesse ist für dieses Handlungsfeld elementar. Lernenden muss vermittelt werden, wie das Wirtschaftssystem der globalisierten Welt funktio-niert, welche Handels- und Warenströme von Produkten zurückgelegt werden, bis sie in Geschäften landen oder nach welchen Gesichtspunkten der Nachhal-tigkeit Herkunft, Produktion und Verbrauch von Gütern zu beurteilen sind.
Der schulischen Bildung kommt eine besondere Sensibilisierungsaufgabe mit Blick auf die ökonomische Gerechtigkeit und vorhandene Wohlstandsgefälle zu. Aus dem Wissen über die global ungleiche Verteilung von Reichtum und Wohl-stand sollen die Lernenden dazu befähigt werden, aus ihrer Eigenverantwor-tung heraus Folgerungen zu ziehen und Handlungsentscheidungen fällen. Dazu gehört insbesondere die Auseinandersetzung mit Konsum, Konsumgestaltung, daraus resultierenden Konsequenzen sowie möglichen Einflussfaktoren. Ziel ist es, Schülerinnen und Schülern die Notwendigkeit eines verantwortungsbewuss-ten Konsums aufzuzeigen und sie zu befähigen, Konsumentscheidungen zu be-gründen. Des Weiteren sollen die Lernenden im Kontext der Globalisierung und mit Blick auf einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen eigene Konsument-scheidungen reflektieren sowie deren Bedeutung für Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft analysieren. Ziel der Analysen und Reflexionen ist, dass Schülerin-nen und Schüler die Notwendigkeit nachhaltiger Wertschöpfungsketten persön-lich erfahrbar gemacht wird.
Vor dem Hintergrund einer fortschreitenden Technisierung befassen sie sich mit naturwissenschaftlich-technischen sowie sozio-technischen Anwendungen in Arbeitswelt und Privatleben und denken über deren Potentiale, Risiken und Bedeutung nach. Anhand dieser Themen diskutieren sie Fragestellungen zum Einfluss von Digitalisierung auf Dienstleistungen und Produktion und reflektie-ren deren Einfluss Arbeits- und Lebenssituationen im globalen Umfeld. Die Schülerinnen und Schüler befassen sich mit dem Thema Ernährung sowohl in Bezug auf gesundheitliche, ökologische und ökonomische Aspekte im Le-bensalltag wie auch als globale Herausforderung.

Handlungsfeld 6: Umwelterziehung – ökologische Nachhaltigkeit, bewusster Konsum, nach-haltige Ressourcennutzung

Die Präsenz der Themen Umweltschutz und Klimawandel in Alltag und Medien nimmt kontinuierlich deutlich zu. Der sorglose Umgang mit dem, was uns allen eine Existenzgrundlage bildet beeinflusst unser Leben bereits spürbar.
Ein Bildungssystem, welches als oberstes Ziel die Kinder und Jugendlichen im Auge hat, kann unmöglich die Thematisierung der ökologischen Probleme igno-rieren oder sie alleinig auf die Behandlung in den naturwissenschaftlichen Fä-chern oder Projekttagen abwälzen. Gerade Umwelterziehung im schulischen Bereich bietet die Schulpflicht eine optimale Plattform der Jugend und damit der Zukunft ein Gefühl für verantwortungsbewussten Umgang mit natürlichen Res-sourcen und der Umwelt zu vermitteln. Weiter gedacht wird die Umweltbildung zu einer politischen Bildung, welche sich mit den Ursachen und Folgen der sozi-alen Ungerechtigkeit auf der Erde und der Beseitigung von Zerstörung und Ar-mut befasst.
Den Schülern müssen die ökologischen Zusammenhänge erläutert und aufbe-reitet werden, damit Verknüpfungen zu zukunftsbezogenem Denken gefördert werden kann. Dafür wiederum muss das Ausmaß der Kenntnisse über Rohstoff-reserven, Kreisläufe und Recycling stärker ausgebaut werden. Schüler sollten ein grundlegendes Verständnis für die Beeinflussung und Inan-spruchnahme der Natur durch den Menschen erhalten, sollten diskutieren und in einem freien Meinungsaustausch die Folgen der exzessiven Nutzung der Umwelt erkennen. Generell ist die Diskussion das neben der reinen Wissens-vermittlung wichtigste Instrument zur Sensibilisierung der Schüler für die Nachhaltigkeit. In einigen Bundesländern ist die Umwelt bereits Teil des Unterrichts – In Bayern werden die Grundschüler bereits in der vierten Klasse mit dem Thema Müll-trennung und Entsorgung konfrontiert. Eine frühe Berührung mit diesem The-ma ist entscheidend für die Entwicklung der Einsicht, dass umweltbewusstes und umweltgerechtes Handeln essentiell ist und somit bereits junge Menschen zu einer Bereitschaft für Engagement motiviert.
Die unzählig vielen Möglichkeiten, die über Institutionen und Stiftungen bereits existieren werden leider nur sehr oberflächlich genutzt. An Schulen freier Trä-gerschaft hingegen wird zunehmend der Besuch eines Naturschutz- oder Schulbiologiezentrums in den Unterricht eingebaut. Dieses Potential sollte für die abwechslungsreiche und anschauliche Unterrichtsführung in Betracht ge-zogen werden. Die Kerndevise, die den Schülern übermittelt werden sollte, bleibt der bewusste Umgang mit dem, was uns Lebensraum und Lebenspotential bietet. Insofern es also Möglich ist, sollte Umwelterziehung Teil des gesamtschulischen Lehrplanes sein und auch in kommunikativen bzw. gesellschaftswissenschaftlichen Fächern wie Deutsch, Ethik, Geographie u.v.m. thematisiert werden. Dabei sollte großen Wert auf die individuelle Partizipation gelegt werden, indem gerade Schülerakti-vitäten im Umweltschutz gefördert werden.

Handlungsfeld 7: Individuum Mensch - Ernährungslehre, Gesundheit und Sexualität, Familie

Über Jahrhunderte hinweg wurde der Versuch unternommen, einen standardi-sierten Menschen zu schaffen, der so denken, handeln und leben soll, wie es in der Schule vermittelt wird. Es sollte eine normierte und homogenisierte Masse geschaffen werden, die sich der Gesellschaft und deren Moralvorstellungen an-passt, ohne die vorherrschenden Werte zu hinterfragen und gegebenenfalls anzupassen.
Heutzutage benötigen wir Mitbürgerinnen und Mitbürger, Schülerinnen und Schüler, die sich frei entfalten können, selbst ihre Kompetenzen und Interessen erfahren und Spaß am Lernen entwickeln sollen.
Jeder Mensch ist einzigartig und soll sich frei entwickeln können. Schule muss Spaß machen und zum Lernen anregen, nicht als Ort der Angst empfunden werden. Soziale und persönliche Kompetenzen, die nicht durch eine Klausur abgefragt werden, scheinen minder wichtig zu sein. Doch gerade ein ganzheitli-ches Konzept aus Allgemeinbildung, sozialen und persönlichen Kompetenzen ist existentiell, damit der Mensch sich zu einem Individuum entwickeln kann. Ebenfalls muss auf selbstständiges Arbeiten wert gelegt werden. Um bestimmte Aufgabenstellungen bewältigen zu können, muss hierbei darauf geachtet wer-den, so viele wie mögliche Quellen zur Verfügung zu stellen, um viele Möglich-keiten des Arbeitens zu ermöglichen.
In einer Gesellschaft, in der Fast Food immer stärker Einzug hält, ist es wichtig, Jugendlichen eine gesunde, ausgewogene und nachhaltige Ernährung zu ver-mitteln. Sie müssen lernen, mit Lebensmitteln korrekt umzugehen, sie zu nut-zen und ihre Wirkungen auf den Körper des Menschen zu erfahren. Dies kann im Fach Biologie umgesetzt werden, indem man dem Lernbereich „Ernährung“ eine wichtigere Bedeutung zukommen lässt.
Mit der Ernährung einher geht die Gesundheit, da sie ein wichtiger Teil unseres körperlichen und psychischen Wohlbefindens ist, jedoch nicht der einzige. Sport und Sporterziehung sind ebenfalls essentielle Elemente eines langen und ge-sunden Lebens. Die Verbindung zwischen Sport und Gesundheit muss gefestigt werden und als untrennbarer Teil des Lebens verstanden werden. Heutzutage ein immer wichtiger werdendes Thema ist die Sexualität und die damit auch verbundene Institution der Familie, in besonderer Weise auch in der Schule. Das klassische Familienbild ist in unserer Gesellschaft nicht mehr allein, es existieren eine Reihe aktzeptierter Lebens- und Familienentwürfe, welche im Sinne der Tolenranz auch von der schulischen BIldung mit Respekt und Tolen-ranz behandelt werden sollten. Hierfür sollte der Ethik- oder Religionsunterricht eine zentrale Bedeutung erhalten.
Besonders musische Fächer wie Kunst und Musik müssen eine höhere Bedeu-tung in der Schule erhalten, um die Fantasie und den Einfallsreichtum der Schü-lerinnen und Schüler zu schärfen. Dies werden die Kompetenzen der Zukunft sein. Durch die Förderung in diesen Fächern wird nachhaltig das logische Ver-ständnis geschult und den Lernenden wird beigebracht, selbst nachzudenken und nicht Suchmaschinen anzustrengen, um Lösungen von bestimmten Aufga-benstellungen zu erhalten. Künstler von heute sind die Wissenschaftler von morgen. Sie werden Lösungen finden, an denen andere vergeblich gescheitert sind, da sie eine solche Problemlösungskompetenz nie vermittelt bekamen.